Blaues Kreuz in
der Evangelischen Kirche
Bundesverband e.V.
- Selbsthilfeorganisation in der Suchtkrankenhilfe
-

Glücksspiel
Spiel
und Glücksspiel
Spielen ist in unserer
Kultur verbunden mit Begriffen wie kindlichem Lebensgefühl, Freiheit,
Spontaneität, Freude und Geselligkeit. Gerade das kindliche Spiel
wird als eine Grundvoraussetzung persönlicher Entwicklung gesehen.
Von daher sind Spiele wie Gesellschaftsspiele, Theaterspiele, Fußballspiele
etc. positiv besetzt.
Glücksspiel
dagegen hat etwas mit Zufall, Gewinn und Verlust, Passivität und Risiko
zu tun. Zudem ist das Glücksspiel in Deutschland verboten. Es darf
nur dann durchgeführt werden, wenn es unter staatlicher Kontrolle
steht, wie beispielsweise in Kasinos, bei Lotterien oder Rennwetten. So
soll einer wirtschaftlichen Ausbeutung der SpielerInnen durch staatliche
Kontrolle und Zügelung entgegengewirkt werden.
Dennoch werden in
Deutschland jährlich rund 40 Milliarden DM beim legalen Glücksspiel
eingesetzt.
Geldspielautomaten
zählen offiziell nicht zu den Glücksspielen. Sie werden als „Unterhaltungsautomaten
mit Gewinnmöglichkeit“ bezeichnet. Gesetzliche Regelungen sollen diese
Spiele klar vom Glücksspiel abgrenzen und Gewinn und Verlust in Vermögenshöhe
nicht ermöglichen. Jedoch haben mehr als 90% der KlientInnen von Beratungsstellen
oder Suchtkliniken Probleme mit dem Spielen an Geldautomaten. Sie berichten
häufig, dass sie in ein oder zwei Tagen einen ganzen Monatslohn verspielt
haben.
Zur Abhängigkeit
führen können auch Wetten, Casinospiele wie Roulette und Poker
und das Spekulieren an der Börse.
In Schleswig-Holstein
gibt es einen „Glücksspielgrenzverkehr“ nach Dänemark. Besonders
ältere Menschen fahren mehrmals die Woche mit einem Reisebus ins benachbarte
Dänemark zum Bingospielen.
Merkmale
der Glücksspielabhängigkeit
Für manche Menschen
wird das Glücksspiel zu ihrem wichtigsten Lebensinhalt. Ihr Spielverhalten
zeigt Merkmale auf, die auf eine Abhängigkeit schließen lassen.
Das sind im Einzelnen:
1
Häufige Beschäftigung
mit dem Glücksspiel.
2
Bedürfnisse
zum Glücksspiel mit steigenden Einsätzen, die gewünschte
Erregung zu erreichen.
3
Wiederholte,
erfolglose Versuche, das Glücksspiel zu kontrollieren, einzuschränken
oder ganz damit aufzuhören.
4
Ruhelosigkeit
oder Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspiel einzuschränken
oder aufzugeben.
5
Teilnahme am Glücksspiel,
um Problemen zu entfliehen oder dysphorische Stimmungen abzubauen.
6
Wiederholte Geldverluste
beim Glücksspiel und Rückkehr am anderen Tag, um die Verluste
wieder wett zu machen.
7
Belügen von
Familienmitgliedern, TherapeutInnen oder anderen Bezugspersonen, um das
Ausmaß der Beteiligung am Glücksspiel zu verheimlichen.
8
Begehen illegaler
Handlungen wie Urkundenfälschung, Betrug, Diebstahl oder Unterschlagung,
um das Glücksspiel zu finanzieren.
9
Gefährdung
oder Verlust einer bedeutsamen Beziehung, Arbeitsstelle oder Ausbildungsmöglichkeit
oder einer beruflichen Aufstiegschance wegen des Glücksspiels.
10
Verlass darauf,
dass andere das Geld zur Verfügung stellen, um eine durch
das Glücksspiel hervorgerufene, verzweifelte finanzielle Situation
zu entspannen.
Für die Zeit
des Spiels tauchen die SpielerInnen in
eine Traumwelt ab.
Sie sind abgelenkt von Alltagssorgen und empfinden Anregung durch lustvolle,
intensive und zum Teil euphorische Gefühle, die sie ohne das Spiel
in ihrem Leben nicht oder nur schwer empfinden können.
Glücksspielsüchtige
Menschen können ihr Suchtproblem oft jahrelang vor ihrer Umwelt verheimlichen
- sie spielen nicht nur am Automaten, sondern auch mit ihren Mitmenschen.
Geld spielt die entscheidende Rolle in ihrem Leben. Zudem leiden sie häufig
unter chronischem Zeit- und Geldmangel.
Zur
Entstehung der Glücksspielsucht
Glücksspielsucht
hat vielfältige Ursachen. Wie bei anderen Suchterkrankungen auch,
spielen bei der Entstehung verschiedene Faktoren eine Rolle, wie
· die Wirkung
des Glücksspiels,
· die Verfügbarkeit
des Glücksspiels,
· das soziale
Umfeld und
· die Persönlichkeit
der SpielerInnen.
·
Grundsätzlich
kann jeder Mensch süchtig werden, der eine Substanz konsumiert oder
sich mit einer Sache beschäftigt. Neben psycho-sozialen Faktoren spielt
das Suchtpotential des jeweiligen Mittels bzw. Verhaltens für die
Entstehung einer Sucht eine wichtige Rolle. So hat z.B. das Spielen am
Geldautomaten mit rascher Spiel-abfolge ein größeres Suchtpotential,
als das Lottospielen mit nur wenigen Ziehungen wöchentlich.
Erhöht gefährdet
sind Menschen mit chronischen und akuten Lebensproblemen.
Der
Ausstieg aus der Glücksspielsucht
Erfahrungsgemäß
schaffen die meisten Menschen den Ausstieg aus ihrem kranken, destruktivem
Spielverhalten nicht alleine. Sie können hierbei Hilfe in Selbsthilfegruppen,
Beratungsstellen und Fachkliniken finden.
In Deutschland wird
die Zahl der beratungs - und behandlungsbedürftigen GlücksspielerInnen
auf ca. 120.000 geschätzt.
Für die Angehörigen
erscheinen die Probleme, die durch die Glücksspielsucht entstanden
sind, als nicht zu bewältigen. Sie können Rat und Hilfe bei den
o.g. Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe erhalten, auch unabhängig
von ihrer PartnerIn.
Sich und anderen
die eigene Glücksspielabhängigkeit einzugestehen, ist der
erste Schritt der Genesung. Zudem muss der Umgang mit Geld neu gelernt
werden. Eine vorübergehende Unterstützung hierbei durch eine
Vertrauensperson ist sehr hilfreich.
Bei der Abstinenz
vom Glücksspiel kann es schnell zu einer Verlagerung auf ein anderes
Suchtmittel wie z.B. Alkohol kommen. Die Auseinandersetzung mit dem
eigenen Suchtverhalten ist nicht nur deshalb auch bei SpielerInnen ein
bis zu lebenslanger Prozess.
(Quellen:
Tascheninfo “Glücksspiel“, Hrsg.: Nicol - Verlag im GVS, Kassel 1996
und Witt, Horst: Pathologisches Glücksspiel aus der Sicht des Therapeuten,
„Visite“
, Magazin der Kliniken und Therapieeinrichtungen, Köln, Nr. 2, 2.
Jahrgang)
Selbsthilfe
für
SpielerInnen und deren Angehörige
Anonyme Spieler
Deutschland
Kontaktstelle
Eilbecker Weg 20
22089 Hamburg
Tel.: 040 / 2 09
90 09
+ 040 / 2
09 90 19
Gamanon
Angehörige
von Spielern
Eilbecker Weg 20
22089 Hamburg
Blaues Kreuz in
der Evangelischen Kirche
Bundesverband
e.V.
Märkische Straße
46
44141 Dortmund
Tel.+ Fax: 0231
/ 586 41 32
Internet: www.blaues-kreuz.org
E-mail: bke@blaues-kreuz.org
GRUPPEN DES BLAUEN
KREUZES IN DER EV. KIRCHE:
45130 Essen
Ansprechpartner:
Holger Kopyciok
Tel.: 0201 / 55
85 58
Gemeindeamt:
0201 / 78 10 71
24103 Kiel
Fleethörn 61a,
Haus des Blauen Kreuzes, Freitags 19.30 Uhr
Ansprechpartner:
Egon Mordhorst,
Tel: 0431 / 96 707
Jens-Uwe Schadt,
Tel: 0431/ 75 620
Guttempler in
Deutschland
Adenauerallee 45
20097 Hamburg
Tel.: 040 / 24 58
80
Fax: 040 / 24 14
30
Internet: www.guttempler.de
E-mail: guttempler@t-online.de
Blaues Kreuz in
Deutschland
Bundesgeschäftsstelle
Freiligrathstr.
27
42289 Wuppertal
Tel.: 0202 / 62
00 30
Fax: 0202 / 62 00
381
Internet: www.blaues-kreuz.de
E-mail: bkd@blaues-kreuz.de
Freundeskreise
für Suchtkrankenhilfe -
Bundesverband
e.V.
Kurt-Schumacher-Str.
2
34117 Kassel
Tel.: 0561 / 78 04 13
Fax: 0561 / 71 12 82
Internet: www.freundeskreise
– sucht.de
E-mail: mail@freundeskreise
– sucht.de
Beratungs–
und Behandlungsstellen
Adressen und Telefonnummern
von Beratungsstellen, Fachkliniken und Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe,
welche Erfahrungen auf dem Gebiet der Glücksspielsucht haben, können
Sie erfragen bei:
Fachverband Glücksspielsucht
e.V.
Auf der Freiheit
25
32052 Herford
Tel.: 05221 / 59
98 50
Fax: 05221 / 59
98 75
Internet:
www.gluecksspielsucht.de
Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Ostenheimerstr.
220
51109 Köln
Tel.: 0221 / 89
92 - 0
Internet:
www.bzga.de
Deutsche Hauptstelle
gegen die Suchtgefahren e.V. (DHS)
Westring 2
59065 Hamm
Tel.: 02381 / 90
150
Internet:
www.dhs.de
Gesamtverband
für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk der Ev. Kirche in Deutschland
(GVS)
Kurt-Schumacher-Straße
2
34119 Kassel
Tel.: 0561 / 10
95 70
Fax: 0561 / 77 83
51
Internet:
www.sucht.org
Klinikum Nord
Haus 29
Langenhorner Chaussee
560
22419 Hamburg
Tel.: 040 / 527
120 65
Bernhard Salzmann
Klinik
Im Füchtei
150
33334 Gütersloh
Tel.: 05241 / 50
202
Fachkrankenhaus
Michaelshof
Dannenfelserstr.
42
67292 Kirchheimbolanden
Tel.: 06352 / 31
16
Fachkrankenhaus
Nordfriesland
Krankenhausweg 3
25821 Bredstedt
Tel.: 04671 / 904-0
Fachklinik für
psychosomatische Medizin
Kurpromenade 42
76332 Bad Herrenalb
Tel.: 07083 / 50
90
Haus Kraichtalblick
(Fachklinik für
Frauen)
Sternackerstr. 46
76703 Kraichtal
Tel.: 07205 / 81
31 - 33
Hochgrat Klinik
Wolfsried
88167 Stiefenhofen
Tel.: 08386 / 20
72
Psychosomatische
Fachklinik Münchwies
Turmstr. 50 - 58
66540 Neunkirchen/Saar
Tel.: 06858 / 691-0
Therapiezentrum
Münzeschein
Am Mühlberg
76703 Kraichtal
Tel.: 07250 / 60-0
Klinik Schweriner
See
Am See 4
16069 Lübstorf
Tel.: 03867 / 900-0
Fax: 03867 / 900-100
Fachklinik Fredeburg
Zu den drei Buchen
1
57392 Fredeburg
Tel.: 02974 / 70
21
Fachklinik Wigbertshöhe
Dr. Ronge Weg 10
36251 Bad Hersfeld
Tel.: 06621 / 185-0
Literatur
BÖNISCH, Monika:
Opium der Armen. Lottospiel und Volksmagie im frühen 19. Jahrhundert.
Eine Fallstudie aus Baden-Württemberg. Tübingen 1994.
BRACKHOFF, Jutta
(Hrsg.): Glück - Spiel - Sucht.
Beratung und Behandlung
von Glücksspielern. Freiburg 1989.
BRANDT, Christian:
Sucht und Automatenspiel.
Freiburg im Breisgau
1993.
Deutsche Hauptstelle
gegen die Suchtgefahren (Hrsg.):
Süchtiges Verhalten.
Hamm 1985.
DÜFFORT, Rainer:
Ratgeber für Spieler und ihre Angehörigen.
Freiburg 1986.
FETT, Anna: Glück
- Spiel - Sucht.
Konzepte und Behandlungsmethoden.
Freiburg im Breisgau 1996.
FRÖHLING, Ulla:
Droge Glücksspiel.
Betroffene erzählen
von einer heimlichen Sucht.
Fischer Verlag,
Frankfurt am Main 1993.
FÜCHTENSCHNIEDER,
Ilona: Glücksspiel;
Nicol Verlag, Kassel
1996, 3,- DM.
GROSS, Werner: Sucht
ohne Drogen.
Arbeiten, Spielen,
Essen, Lieben. Frankfurt 1990.
KRÄMER, Walter:
Denkste!
Trugschlüsse
aus der Welt des Zufalls und der Zahlen.
Frankfurt am Main
1996.
LETTAU, Andreas:
Glücksrausch. Hamburg 1991 (Jugendbuch).
LISCH, Ralf: Spielend
gewinnen? Chancen im Vergleich.
Stiftung Warentest.
Berlin 1984.
Literatur und Informationsförderkreis
Anonyme Spieler e.V. (Hrsg.): Anonyme Spieler. Spielsucht eine Krankheit.
Hamburg 1996.
MEYER, Gerhard: Glücksspieler
in Selbsthilfegruppen,
Hamburg 1989.
MEYER, Gerhard; BACHMANN,
Meinolf: Glücksspiel.
Wenn der Traum vom
Glück zum Alptraum wird.
Berlin, Heidelberg
1993.
NUTT, Harry: Chance
und Glück.
Erkundungen zum
Glücksspiel in Deutschland.
Frankfurt am Main
1994.
PETRY, Jörg:
Psychotherapie der Glücksspielsucht.
Weinheim 1996.
SCHÜTTE, Hans:
Glücksspiel und Narzissmus - die pathologischen Spieler aus soziologischer
und tiefenpsychologischer Sicht.
Bochum 1985.
SCHULLER, Alexander:
Der Automatenmann. Düsseldorf 1993.
VEREIN “ANONYME SPIELER
WIEN“: Wenn das Glücksspiel zum Problem wird. Wien 1989.
WAHL, Christian:
Spielsucht. Praktiker und Betroffene berichten über pathologisches
Glücksspiel. Hamburg 1988.

Stand 12. August 2001
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